Nichtpackliste: Sieben Dinge, die zu Hause bleiben

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Ein heftiger Windstoß könnte ihn umwehen, so schmal ist Franz*. Gut achtzig Jahre Schwerkraft haben ihn eingeschrumpft. Doch weder die fehlende Körperfülle noch seine geringe Größe allein erklären sein minimalistisches Gepäck.

Er hält ein Reisetäschlein aus Leinen in der Hand, ähnlich verkrumpelt wie er selbst und kaum größer als ein Blatt Papier. Da sei alles drin, was er für eine Woche Tunesien brauche. Shampoo gäbe es im Hotel, eine Bürste brauche er schon lange nicht mehr, und wenn er doch etwas vergessen habe, dann könne er das vor Ort immer noch kaufen.

Während andere in der Reisegruppe Zwanzigkilokofferkolosse vor sich herschieben, schlüpft Franz mit seinem Täschlein durch die Flughafensicherheit. Nur Handgepäck eben. Er hat damals »aus der DDR rübergemacht«, erzählt er mir während des Urlaubs. Da konnte er wahrscheinlich auch nicht viel mitnehmen, denke ich.

Wenn ich meinen Rucksack für eine Trekkingtour packe, denke ich an Franz. Was wir beim Reisen zurücklassen, ist genauso wichtig wie das, was wir mitnehmen. In diesem Sinne – und Franz zu Ehren – habe ich eine Nichtpackliste für Trekkingtouren für euch zusammengestellt, geeignet für all jene, deren Rucksack immer zu voll ist oder die sich mit fünfundzwanzig Kilogramm auf dem Buckel durch die Wildnis kämpfen. Packlisten gibt es im Internet schließlich zu Genüge.

Besonders praktisch an der Nichtpackliste: Was du nicht einpackt, musst du nicht kaufen. Alles, was du nicht mitnimmst, wiegt exakt null Gramm und lädt dir keine zusätzlichen Kilos auf. Hier meine top sieben:

1) Föhn

Mein Freund war mit einem Kumpel auf dem Atos wandern, einer Mönchsrepublik in Griechenland. Der Rucksack des Kumpels wog geschätzt siebenundzwanzig Kilo – unter anderem dank eines handlichen Reiseföhns, der in letzter Minute doch noch zu Hause bleiben sollte.

Aber wenn ich geduscht habe, muss ich meine Haare föhnen, sonst sitzt meine Frisur nicht, finden die einen. Und wenn es kalt ist, bekomme ich mit nassen Haaren eine Erkältung, mahnen die anderen. Okay, hier die Gegenrede: Wenn du beim Wandern eine Dusche findest, ist das großes Glück. Dann gibt es dort auch Strom und sicherlich irgendeinen Backpacker, der doch einen Föhn mitgeschleppt hat. Dann kannst du ihn dir leihen. Deiner Frisur wird das langfristig beim Trekking aber nicht helfen. Nach zwei Stunden draußen, selbst bei nur mäßigem Wind, ist erfahrungsgemäß jede Frisur mehr oder minder im Eimer. Und was die Erkältung angeht: Einfach nicht duschen, wenn’s kalt ist.

2) Espressomaschine

Während der Wanderung auf dem schwedischen Padjelantaleden am Polarkreisnirgendwo habe ich einen Wanderkollegin getroffen, die einen Espressoaufsatz für den Campingkocher dabei hatte. Hier die Alternativen:

  • Kaffee türkisch trinken: das heiße Wasser auf den Kaffee schütten und warten, bis sich die Kaffeekrümel gesetzt haben
  • Instantkaffee mitnehmen
  • auf Kaffee verzichten. Für regelmäßige Kaffeetrinker ist das nur bedingt empfehlenswert. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie hart der kalte Entzug ist.

3) Gabel

Alles, was sich mit einer Gabel essen lässt, lässt sich mit einem Löffel löffeln. Alles, was aufgespießt werden will, lässt sich mit einem Messer aufspießen.

4) Badeanzug oder -hose

Wildnis definiert sich dadurch, dass keine anderen Menschen da sind. Also kannst du im Adamskostüm in die Fluten springen. Alternativ tut es für Meer, See oder Fluss deine Unterwäsche, wie ich in der Eifel und an der Algarve getestet habe.

5) Sandalen

So schwer sind doch ein paar Sandalen nicht, wirst du vielleicht sagen. Und wenn man einen Fluss furten muss? Dann sage ich: Entweder Schuhe aus und barfuß durch die Fluten, wenn keine Verletzungsgefahr droht, oder die Plastiktütentechnik. Die funktioniert so: Man stapfe in Schuhen, aber ohne die Socken, durch den Fluss. Danach schlüpft man in die Socken und stülpt über jeden Fuß eine robuste Plastiktüte, bevor man die Füße in die klatschnassen Wanderstiefel steckt. So lässt es sich auch in den nassen Schuhen aushalten. Eine größere feste Plastikmülltüte lässt sich übrigens auch als improvisierter Regenponcho einsetzen. Denn der Regenschirm muss – logisch – auch zu Hause bleiben.

6) Eine/einen zweite/n »Was-auch-immer«

Eine zweite Unterhose und ein zweites Paar Socken lasse ich noch gelten, aber eine zweite Hose oder einen zweiten Pullover nicht. Ersatzlos gestrichen. Basta.

7) Melone

Wer tagelang Tütensuppen schlürft oder Müsliriegel zernagt, kann einen mittelschweren Obstanfall bekommen. Anders ist es nicht zu erklären, dass mein Cousin eine Melone in die schwedische Wildnis geschleppt hat. Das sei die beste Melone seines Lebens gewesen, behauptet er. Dennoch würde ich von Melonen, insbesondere von Wassermelonen, als Trekkingverpflegung dringend abraten.

An Franz‘ minimalistische Gepäckmengen komme ich noch nicht heran, aber wer weiß? Bis ich achtzig bin, habe ich noch Zeit.

*Name geändert
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8 Kommentare Gib deinen ab

  1. Kathrin sagt:

    Liebe Jana
    Bin mit den meisten Sachen auf deiner Liste einverstanden, insbesondere ist teilweise erstaunlich, wie viele Kleider (und Make-up!) Leute auf langen Touren mitschleppen. Hingegen gehören für mich Sandalen zur Standardausrüstung: Nichts ist schöner, als wenn man nach einer langen Wanderung aus den Wanderschuhen und in die Sandalen schlüpfen kann. Zudem überzeugt mich dein Trick mit den Plastiktüten nicht wirklich. Klatschnasse Wanderschuhe versuche ich zu vermeiden – die sind nämlich nur noch schwerer und kaum mehr trocken zu kriegen.

    Und seit ich einmal mitbekommen habe, wie ein erfahrener Bergführer im Regen mitten auf einem Gletscher seinen Regenschirm aufgespannt hat, kommt bei mir ein Schirm auch immer mit. Solange es nicht zu sehr windet, ist ein Schirm angenehmer als eine Kapuze, die einem das Sichtfeld einengt.

    Gruss, Kathrin

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    1. Jana sagt:

      Hi Kathrin, in der Tat sind klatschnasse Wanderschuhe suboptimal … Der Tütentrick ist ein Kompromiss. Aber etwas Besseres ist mir bislang nicht eingefallen. Ich tue mich mit schwerem Gepäck schwer :). Entsprechend versuche ich, möglichst viel wegzulassen. Auch wenn ich dann manchmal neidisch auf die Sandalen anderer Wanderer schiele. Liebe Grüße und lieben Dank für den Kommentar!

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  2. hikeminded sagt:

    Melone. LOL. Voll ultralight.

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  3. Gegen den drohenden Kaffeeentzug hilft auch schwarzer Tee. Ist auch recht unkompliziert zu transportieren und braucht auch nur Wasser (ok, und eigentlich Milch…). Aber am besten den Entzug vor der Tour machen 😉 Und zu Sandalen: In den Bergen braucht man auf Hütten eigentlich immer Hüttenschuhe. Socken allein gehen auch, aber damit nachts aufs Hüttenklo, das vielleicht noch draussen ist, will man auch nicht. Neopren-Badeschuhe helfen da. Ja, die wiegen mehr als nix, aber sind trotzdem super leicht und auch für den Bach zu gebrauchen. Wenn man nie eine Hütte sieht natürlich überflüssig 🙂

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    1. Jana sagt:

      Ja, Tee wäre eine Variante … 🙂

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  4. claowue sagt:

    Oh, ja das leidige Gepäck… Sollte ich mal eine Fernwanderung machen wird mir himmelangst, denn irgendwie schaffe ich es nicht unter 12 kg Rucksack und dann kommt ja der Profiant noch dazu… Aber es wiegt ja alles so viel.
    Den Föhn hatte ich gedanklich schon aussortiert, allerdings war ein Tauchsieder für den Tee zwecks Teein/Koffeinzufuhr im Gepäck. Glücklicherweise hab ich seit der letzten Fastenzeit den Koffeinentzug hinter mir. Ich hoffe, dass ich weiterhin auf dem niedrigen leven bleibe an dem ich ohne keine Entzugserscheinungen (u.a. Kopfweh) mehr bekomme. Der Tausieder kann also künftig auch zu Hause bleiben.
    Unbedingt notwendig sind natürlich die Ladekabel von Foto und Handy/iPad (warum nur gibts für alles ein extra Kabel?) – aber an der Kleidung, da muss ich deinen Tipp beherzigen und echt noch dran arbeiten…
    Ach ja: Von der Gabel bringst du mich aber nicht ab, denn ich hab nen Göffel. Vorne Gabel und hinten Löffel. Echt genial das Teil 😉

    Viel Spaß auf Deinen Wanderungen!

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    1. Jana sagt:

      Du schaffst das 🙂 Und: Cooles Teil, der “Göffel“. Oder heißt es “Label“?

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      1. claowue sagt:

        Kommt wohl drauf an wie rum man es hält 😉

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